LEO BEI (Solo) im Roten Engel

Bands & Projekte

LEO BEI (Solo) im Roten Engel

1981–1985

Wiener Solo- und Bandphase mit der LP „Leo Bei im Roten Engel“.

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Bands & Projekte

1981–1983: Neustart im Wiener Bermudadreieck

Die Roter-Engel-Phase als verdichteter Übergang von CRUMB zum eigenständigen Leo-Bei-Kapitel – mit Clubnächten, Szenekontakten und wachsendem eigenen Profil.

Der Rote Engel als Labor

Nach dem Ende von CRUMB begann für Leo Bei eine direkte Umbruchphase: weniger Bandkompromiss, mehr eigenes Profil. Der Rote Engel war dafür der richtige Ort – ein frisches Live-Lokal im aufkommenden Bermudadreieck, das sich ab 1980/81 als Szeneviertel etablierte und schnell für Konzertnächte bekannt wurde.

Parallel lief der Alltag alles andere als glamourös: Jobs, Zivildienst und Studioarbeit mussten mit Musik unter einen Hut. Genau aus dieser Mischung entstand ein rauer, wienerischer Sound zwischen Rock, Dialekt und Clubenergie. Die Roten-Engel-Auftritte wirkten wie ein Labor, in dem Songs, Haltung und Bühnenfigur von Abend zu Abend geschärft wurden.

Leo Bei bei einem Auftritt im Roten Engel 1982.

Im Umfeld dieser Zeit gab es personelle Überschneidungen mit der Wiener Szene: dokumentiert sind u. a. Abende mit Günther „Gunkl“ Paal am Saxophon sowie ein Auftritt mit Udo Jürgens am Klavier. Auch die Verbindung zur Harri Stojka EXPRESS-Welt taucht 1982 in den Konzertdaten auf – ein Hinweis darauf, wie eng die Wiener Livemusik damals vernetzt war.

Frühe Solojahre im Roten Engel: direkt, laut und nah am Publikum.

Historische Konzertdaten

Dokumentierte Auftritte rund um die Roter-Engel-Phase.

Datum / Jahr Ort Venue Notiz
1981WienRoter Engelmit „Gunkl“ Paal am Saxophon
25. 09. 1982WienMetropolVorgruppe für HARRI STOJKA EXPRESS
1982WienRoter Engelmit UDO JÜRGENS am Klavier
01. 11. 1982WienRoter Engel
02. 11. 1982WienRoter Engel
03. 11. 1982WienRoter Engel
12. 11. 1982WienRoter Engel
13. 11. 1982WienRoter Engel
21. 11. 1982WienRoter Engel
22. 11. 1982WienRoter Engel
23. 11. 1982WienRoter Engel
24. 11. 1982WienRoter Engel
23. 12. 1982WienRoter Engel„Da Bei sein ist alles“
20. 07. 1983WienRoter Engel22:00 Uhr

Zeitdokument

1982 – Der „Rote Engel“

Aufbruch in Wien

Wien befand sich in den frühen Achtzigern in einer Art Aufbruchstimmung, von der viele, aber auch vieles erfasst wurde. Auf einmal gab es Dinge wie Stadtzeitungen, Zeitungen für den Zeitgeist, Alternativkultur (Anti-AKW, Friedensbewegung etc.), eine aufblühende Musikszene mit Schallter Label, Extraplatte, Gig Records, Lemon oder Panza – und auch Lokalitäten, in denen Musik dargeboten wurde.

Dazu gehörten das U4 (wo praktisch jede:r einmal gegeigt hat), das damals urcoole Metropol mit Nuschin als Talentscout für Musiker und Bands, die von Fritz Aumayer geführte Kulisse mit ihren fairen Deals – und vor allem der im Bermudadreieck gelegene Rote Engel. Der Engel war wegen Konzept und Architektur genial: erstens als Ort für Solokünstler oder Duos angelegt, mit toller Bühne samt Yamaha-Flügel, hochwertiger Tonanlage und – was viele andere Lokale nicht hatten – einem echten Publikum. Und dazu Michael Satke mit der besessenen Idee, eine wirklich „guate Hüttn“ am Laufen zu halten.

Start, Umfeld und Wegbegleiter

Leo hatte am 21. Juni 1981 seinen Vorspieltermin im Roten Engel. Er packte seine alte Martin-Gitarre, all seine Klavier- und Liederkenntnisse ein und spielte ungewöhnlich lang vor – an einem brütend heißen Sommertag, an dem alle schwitzten wie die Hölle. Ein paar Tage später folgte der erste von sehr vielen Auftritten (bis 1997 dürften es rund 300 gewesen sein, wahrscheinlich mehr). Dort fand er nicht nur die Basis für eine Existenz, sondern auch Freunde, ein zweites Zuhause und eine unbezahlbare Schule für das Business.

Der Engel (nomen est omen) war jahrelang Musiker-Hangout: Hier entstanden Projekte, hier wurden Bands gegründet, hier wurden Herzen gebrochen – und hier entstanden Sternstunden, weil der Ort Talente wie ein Magnet anzog. Für Leo blieb es ein magischer Platz, wie es in seinem weiteren Leben nur wenige geben sollte. Tausend Dank an Michael, Britti, Konstanze, Wolfgang, Schachi, Bodo, die Winkler-Brüder, Idefix und alle, die hier nicht genannt sind.

Und vor allem lernte Leo hier 1983 seine erste Ehefrau kennen: die ausnehmend liebe und schöne Brenda. Am liebsten spielte er den Nachttermin von eins bis vier – unser Leo ist eine Nachteule. Wenn die Abenddämmerung kommt und die ersten Lichter zu blinken beginnen, dann beginnt seine Zeit. „Ich liebe den Morgen, zu keiner Tageszeit gehe ich lieber schlafen“, sagte er oft, bevor er sich nach vollbrachter Arbeit zufrieden unter einer Decke räkelt und mit dem Expresszug ins Land der Träume abreist.

Leo Bei live auf der Roten-Engel-Bühne als Kontext zur Dangerous-Duo-Phase.

Dangerous Duo und nächste Schritte

Eine der neuen Freundschaften aus dem Roten Engel war jene mit einem langhaarigen, extrem lieben, gleichaltrigen Linzer Musiker: Andy Baum. Als „Dangerous Duo“ waren beide im Bermuda-Dreieck bekannt – nicht weil sie böse Raufer waren, sondern weil ihnen Frauenherzen zuflogen, sie ein Lokal selten vor Sperrstunde verließen und beide über das verfügten, was man in Wien „unhamliche Goschn“ nennt. Zunächst suchten sie gemeinsam eine Band, und beide sollten eine finden: Andy die sehr populäre Hallucination Company, Leo die damals ebenfalls nicht unpopuläre Politrockgruppe Auflauf. Lustigerweise sang Andy eine kurze Zeit sogar bei Auflauf, wurde aber dann von Vickerl Adam eher problemlos abgeworben.

Bei Auflauf traf Leo schließlich zwei Musiker, die für seine spätere Karriere sehr bedeutend wurden: Helmut Grössing (später als Ing. Eduard Jedelsky bekannt) und Wolfgang Grünzweig (später Josef Havlicek).

Plakat von Leo Bei im Roten Engel aus dem Jahr 1983.

Nächstes Kapitel

1983: Dr. Gruuf

Nach den intensiven Solojahren im Roten Engel ging es mit neuem Material in die nächste Formation: Dr. Gruuf.

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